Aufopferung und was es mit mir macht

Warum opfere ich mich für andere auf, obwohl es mich selbst mit einem schlechten Gefühl zurücklässt? Wie kommt es, dass ich keine Bitte ausschlagen kann? Denke ich dabei an mich? Was für Konsequenzen hat die Aufopferung auf meine Gesundheit? Burn-Out als Folge von Aufopferung? Was möchte ich mir und anderen beweisen und was erhoffe ich mir dadurch? Was füge ich mir mit meinem Verhalten selbst zu?

Selbstportrait mit Fächer
Fotografin: Manuela Likos Modell: Manuela Xylander

In einer Zeit, wo Burn-Out an der Tagesordnung steht, muss ich mich fragen, woher das kommt und was die Konsequenzen aus zu viel Stress, Druck und sogar Aufopferungsbereitschaft sind. Die Frage lautet doch, ist Burn Out eine Folge oder sogar eine logische Konsequenz der Aufopferung, die zunehmend unseren Alltag prägt und vielleicht sogar von uns gefordert wird.

Aufopferung und die mit sich bringenden Verluste

Selbstportrait beim Rollschuh fahren,  Freizeitaktivität

Gerade im beruflichen Alltag fällt dies zunehmend auf. Überstunden werden vom Arbeitgeber als selbstverständlich gesehen, ohne zu beachten, welche Auswirkungen diese bei uns Menschen haben. Es fängt bei dem Verzicht der eigenen Freizeit an. Der Wegfall von Zeit, die man für sich selbst hätte nutzen dürfen. Wir verlieren die Zeit für Dinge, die uns erfreuen und unser Leben bereichern. Wir vernachlässigen unsere Familie und Freunde und es endet damit, dass wir unsere vollständige Gesundheit aufs Spiel setzten, unseren Körper regelrecht zerstören und damit unsere mentale Stärke klirrend zerschellt.

Der mit sich bringende Rattenschwanz

Wofür nehmen wir all diese Dinge in Kauf? Für vermeintlichen Erfolgt? Um uns bei unserem Chef oder Kollegen beliebt zu machen, mit der Hoffnung auf eine Beförderung, einer Gehaltserhöhung oder um Lob und Anerkennung zu erhaschen. Oder ist es einfach aus dem Grunde, dass wir nicht den Mut haben Nein zu sagen? Manchmal liegt unsere Motivation auch einfach darin, einen Kollegen auszustechen. Weißt du, was die daraus resultierenden Folgen sind? Deine To-Do Liste wächst immer weiter an, dein Schreibtisch ertrinkt in immer weiteren neuen Aufgaben. Die Menschen reizen unsere Gutmütigkeit und Hilfsbereitschaft aus, da wir den Eindruck erwecken Mr. oder Mrs. Perfect zu sein. Irgendwann wissen wir nicht mehr, wo uns der Kopf steht, die Verzweiflung winkt uns zu und Schwups ist sie unser täglicher Begleiter.

Schlachtensee beim winterlichen Spaziergang
Schlachtensee beim winterlichen Spaziergang

Der Begriff „Aufopferung“

Aufopferung enthält das Wort Opfer. Zum einen bedeutet es, dass wir etwas von uns selbst opfern, wie ich es bereits oben beschrieben habe.

Zum anderen stellen wir uns oft gerne auch selbst als Opfer da. Es ist leichter jemand anderen die Schuld für meine Situation zu geben, als die Verantwortung für mein eigenes Handeln zu übernehmen. Es ist einfacher die Meinung zu vertreten, dass mein Chef und meine Kollegen mich mit extrem viel Arbeit überhäufen.

Ist es nicht aber so, dass ich mich bewusst für die ganze Arbeit entschieden habe, die uns auf kurz oder lang über den Kopf wächst? Zwingt mich jemand länger zu bleiben? Habe ich NEIN gesagt, als man mich fragte? Habe ich etwas getan, um meine Situation zu ändern? Wenn wir ehrlich zu uns selbst sind, wissen wir, dass wir uns selbst diesen Situationen aussetzten. Du hast immer die Möglichkeit eine Entscheidung zu treffen. Es ist auch eine Entscheidung keine Entscheidung zu treffen, aber dann muss dir bewusst sein, dass jemand anderes für dich entscheiden wird. Ein schlechtes Gewissen brauchst du dir nicht einreden zu lassen, wenn du dir bewusst machst, was du bereits alles geleistet hast.

Die Revolution: vom Opfer zum Macher

Übernehme Verantwortung für deine eigenen Entscheidungen, habe den Mut dich nicht mehr als Opfer, sondern als Macher deines Lebens zu betrachten. Steh für dich ein. Sei dir bewusst über deine Entscheidungen und Ihre Tragweite, sei aufmerksam und achtsam und triff die Entscheidungen, die für dich gut sind und nicht bloß für andere. So wirst du aus dem Prozess der Aufopferung herausfinden, dein Weg wird klar und deutlich vor dir liegen. Jeder ist seines eigenes Glückes Schmied.

Hund sitzt auf Treppe im Wald, er zeigt auf unseren Lebensweg, den Weg zum Macher
Foto von Manuela Xylander

Die lebende Alarmanlage

Die Fragen, die du dir stellen darfst, sind folgende: Dankt dir jemand deine Aufopferung? Was sagt dein Körper zu dieser Situation? Höre gut hin. Redet er schon mit dir? Bist du erschöpft und stets müde? Hast du Bauchschmerzen oder sogar schon Krämpfe? Oder reagierst du mit Ohren- oder Kopfschmerzen? Kommst du morgens gut aus dem Bett oder bereitet dir der Gedanke an die Arbeit schon Bauchschmerzen und Kopfzerbrechen. Vielleicht möchte dein Körper dich regelrecht aus dieser Situation befreien, dich absondern und beschützen.

Gesicht hinter Zaungittern: Verschließe nicht länger deine Augen

Verschließe nicht länger deine Augen.

Du darfst dir bewusst machen, dass dein Körper mit dir kommuniziert, dir Warnsignale, für schlechte Lebensbedingungen, sendet. Ich selbst habe diese Signale oft genug in meiner Vergangenheit ignoriert, mir eingeredet die Kollegen oder der Chef brauchen mich oder ohne mich wird es nicht funktionieren. Die Wahrheit ist, das stimmt leider nicht. An erster Stelle standen bei mir immer erstmal die anderen, ohne dabei darauf zu achten, wie es mir selbst wirklich geht. Meine Zeit in der Gastronomie hat mich gelehrt, dass meine Zeit kostbar und wertvoll ist. Die wenigsten Danken dir deine Aufopferung. Klassische Folgen von Überarbeitung sind auch Unkonzentriertheit und die damit einhergehenden Fehler, wodurch du deinen Job nicht mehr so gut ausüben und umsetzten kannst, als wenn du mit vollem Akku arbeiten gehst.

Liebes Tagebuch…

Es gab eine Zeit, da habe ich selbst täglich 13 Stunden gearbeitet, keine Pausen gemacht und mir keine Zeit genommen um zu Essen. Zudem kam mein langer Arbeitsweg, der hin und zurück insgesamt über 2 Stunden dauerte, je nachdem welche Bahnverbindung ich ergattern konnte. Wechselnde Schichten, mit gerade mal 3-4 Stunden möglichen Schlaf dazwischen, pflügten meinen Weg, da ich schon 6 Stunden nach Schichtende wieder für die nächste Schicht auf die Matte stehen musste. Erlaubt oder nicht, ist in der Gastronomie oft nebensächlich.

Gemeinsam sind wir stark

Zum Teil habe ich 15 Tage am Stück durchgearbeitet, ohne einen Tag frei zu haben. Trotzdem hat unser Chef jeden Tag munter zum Schichtwechsel das gesamte Team fertig gemacht und uns auf unsere Unfähigkeit oder seiner Meinung nach schlechten Leistungen verwiesen. Ich glaube, dass war sein geheimes Hobby. Clever war er ja, dass muss man Ihm lassen. Halte die Menschen klein und sie werden sich nicht bewusst, wie groß, stark und wertvoll sie eigentlich sind. Wir können viel bewirken, wenn wir alle Hand in Hand zusammenarbeiten, uns austauschen und gegenseitig Mut schenken.

zwei Hände halten sich fest: Wir können viel bewirken, wenn wir alle Hand in Hand zusammenarbeiten, uns austauschen und gegenseitig Mut schenken.
Fotografin: Manuela Likos Modell: Manuela Xylander

Der schwindende Akku

Zu dieser Zeit war ich irgendwann an einem Punkt angelangt, da war ich gar nicht mehr ich selbst, stand regelrecht neben mir. Müdigkeit und Bauchschmerzen waren meine täglichen Gefährten. Energiedrinks und Kaffee waren für mich gar nicht mehr weg zu denken, sie waren regelrecht mein Lebenselixier. Meine Lebensphilosophien lauteten „Täglich grüßt das Energy“ oder „Relentless ole“ und wie heißt es so schön in der Werbung „Red Bull verleiht Flügel.“ Ich war das lebende Beispiel dafür und wahrscheinlich die beste Käuferin.

Meine Lebensfarbe wich mir zu dieser Zeit regelrecht aus dem Gesicht, selbst meinen Freunden fiel dies auf. Wenn sie mich mal zu Gesicht bekamen, begrüßten Sie mich mit den Worten: „Oh Gott, wie siehst du denn aus?“ Wenn das nicht mal eine augenöffnende Begrüßung ist weiß ich auch nicht. Zwischendurch brach ich ohne ersichtlichen Grund in Tränen aus. Erst später wurde mir bewusst, dass ich kurz vorm Zusammenbruch stand. Meine Erschöpfung und Aufopferung hatten Ihren Höhepunkt erreicht.

Der entscheidende Schritt für ein glücklicheres Leben

Stiefel auf Baumstumpf, Der entscheidende Schritt
Fotografin: Manuela Likos; Modell: Manuela Xylander

Ich entschied mich bewusst, diese Situation, die mich und mein Leben so vergiftete, zu beenden. Ich kündigte. Von meinen etlichen Überstunden wollte keiner etwas wissen. Meine viele Zeit, die ich investiert hatte, war verloren. Ich hatte Sie, für diese Menschen, geopfert und wofür? Mir ging es gesundheitlich und seelisch schlecht und zusätzlich hatte ich keine Zeit für Familie, Freunde und mich gehabt. Ach ja, und für die ganzen Überstunden wurde ich natürlich auch nicht entlohnt. Ich sage nur vielen Dank. Aber eigentlich war ich auch selbst Schuld an dieser Situation. Ich habe selbst entschieden, soviel meiner kostbaren Zeit und Kraft für diese Arbeit zu verschwenden. Ich hätte jeder Zeit sagen können, ich mache es unter diesen Bedingungen nicht mit. Nach dem ersten entscheidenden Schritt fing die Vergiftung an zu heilen und meine Lebensfreude kehrte Schritt für Schritt zurück.

Appell zum bewussten Leben

Du siehst an meinem Beispiel, wohin Aufopferung führen kann und welche Konsequenzen dies mit sich bringt. Meine eindringliche Bitte an dich ist, macht nichts, was dir selbst nicht guttut. Mach dir selbst bewusst was für einen Wert du hast, wie kostbar du und dein Leben bist. Du hast nur dieses eine Leben und du verdienst es dir zu erlauben, es so zu leben, dass du glücklich bist und du deine Beste Seite von dir selbst sein kannst. Die Menschen können dankbar sein, dass du da bist und Sie unterstützt. Du darfst gerne 100% geben, in dem Ausmaß, der dich und deinen Körper bereichert und alles darüber hinaus ist nicht deine Pflicht. Die Menschen erwarten von dir, dass du dein Bestes gibst, doch das kannst du nur, wenn du voll da bist und vor allem körperlich und geistig fit bist.

Restauration deines Selbst

Ziehe Grenzen, nimm dir wieder Zeit für dich, lerne „Nein“ zu sagen und höre auf deinen Körper. Sei gut zu dir selbst und deinem Leben. Dein Körper und deine Seele werden es dir danken. Sei wieder voll bei dir, pflege dich und unternimm Dinge, die dich revitalisieren.

Selbstportrait: Schau in die Ferne; Restauration deines Selbst

Schreibe dir 30 Dinge auf, die dir Spaß machen, dich erfüllen, entspannen, inspirieren und motivieren. Diese Liste wird dein Schatz werden. Rahme sie dir vielleicht sogar ein. Immer wenn es dir einmal nicht so gut geht, holst du diese Liste raus und kannst dir bewusst machen, was dir in diesem Augenblick alles guttun und deine Lebensgeister wiedererwecken würde. Danach entscheidest du dich bewusst für einen dieser Punkte und setzt diese in die Tat um. Anschließend wirst du dich viel besser fühlen, da du genau das für dich selbst gemacht hast, worin du dich entfalten kannst. Du hast bewusst dich und dein persönliches Glück gepflegt.

Du darfst in erster Linie an dich selbst denken

Ganz wichtig für dein Bewusstsein ist folgendes zu wissen: Es ist nicht egoistisch dich um dich selbst zu kümmern! Denn nur wenn du selbst glücklich bist, kannst du auch komplett für andere, für deine Lieblingsmenschen, da sein, Ihnen deine volle Aufmerksamkeit und Energie schenken. Nutze im ersten Sinne deine ganze Power für dich selbst, danach darfst du immer noch für andere da sein. Desto mehr Aufmerksamkeit du dir selbst widmet, desto mehr Energie kannst du für andere Projekte gewinnen. Es ist die Zeit gekommen an dich selbst zu denken und denen, die immer nur die Hand aufhalten, die Stirn zu bieten. Lass den Stress, den Druck und die Aufopferung an dir abperlen und hinter dir. Sei glücklich und gedeihe in den Tätigkeiten, die in dir Freude, Begeisterung und Euphorie auslösen.

Herzliche Grüße,

deine Manuela

Selbstportrait tanzend im roten Kleid auf einer Wiese: Denk an dich selbst
Fotografin: Manuela Likos; Modell: Manuela Xylander

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.